1-Testosteron und M1T


Auf dem amerikanischen Supplementmarkt waren bis Anfang 2005 mit 1-Testosteron und M1T (17α-methyl-17β-hydroxy-5α-androst-1-en-3-one oder auch Methyl-1-Testosteron) zwei Präparate erhältlich, bei denen es sich im Vergleich zu ihren wenig wirkungsvollen Vorgängern nicht um Prohormone, sondern um reinrassige anabole androgene Steroide handelte. 1-Testosteron und M1T sind insofern verwandt, als dass es sich bei M1T um die methylierte Version von 1-Testosteron handelt. Die Wirkungen und Nebenwirkungen beider Steroide sind somit sehr ähnlich und werden aus diesem Grund im Folgenden zusammen beschrieben. Der Hauptunterschied zwischen 1-Testosteron und M1T besteht in der Bioverfügbarkeit dieser beiden Substanzen. 1-Testosteron ist im Körper ähnlich oral zugeführtem Testosteron nur sehr schlecht bioverfügbar. Die Hersteller von 1-Testosteron Präparaten versuchten dieses Problem nach dem Vorbild von Andriol (Testosteron-Undecanoate) zu umgehen, indem Sie 1-Testosteron mit einem sehr langen Ester kombinierten, wodurch eine Aufnahme des Wirkstoffes über das lymphatische System möglich wird. Da M1T methyliert ist, weist es wie alle anabolen androgenen alpha 17 methylierten Steroide eine sehr gute Bioverfügbarkeit auf.

Cylab Cyclo-4AD Testosteron

Der Name 1-Testosteron ist an sich etwas unglücklich gewählt, da es sich bei dem anabolen androgenen Steroid 1-Testosteron strukturell gesehen entweder um 5-alpha reduziertes Boldenone handelt - d.h. um Boldenon, dem die Doppelbindung zwischen dem vierten und dem fünften Kohlenstoffatom fehlt – oder aber um das anabole androgene Steroid Primobolan, dem die Methylgruppe am ersten Kohlenstoffatom fehlt. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die starke strukturelle Ähnlichkeit der anabolen androgenen Steroide 1-Testosteron und M1T mit den Steroiden Primobolan und Boldenon nicht zwangsläufig zu der Schlussfolgerung führt, dass sich auch die Wirkungen dieser anabolen androgenen Steroide ähnlich sind. In der Welt der Steroide gibt es ausreichend Beispiele für minimale strukturelle Änderungen an Steroid-Hormonen, welche die Wirkung des resultierenden anabolen androgenen Steroids im Vergleich zum Ausgangsmolekül drastisch verändern.

Durch das Fehlen der Doppelbindung zwischen viertem und fünftem Kohlenstoffatom ist es chemisch gesehen nicht möglich, dass die anabolen androgenen Steroide 1-Testosteron und M1T im Körper durch das Aromatase-Enzym in Östrogen umgewandelt werden.

Auch wenn zuerst 1-Testosteron und dann M1T erhältlich waren, ist das anabole androgene Steroid M1T bereits sehr viel älter. Es wurde in den Fünfzigern im Rahmen der Steroid-Forschung entwickelt, jedoch nie kommerziell hergestellt. Damals versuchte man ein Steroid zu finden, das ausschließlich anabol und nicht androgen wirkt. Aus dieser Zeit stammt auch das Buch von Vida, in dem 666 unterschiedliche Steroid-Wirkstoffe und deren anabole sowie androgene Wirkung beschrieben wurden. Wenn man nach diesem Buch geht, gehört M1T zu den 10 getesteten Wirkstoffen mit dem besten Verhältnis von anaboler zu androgener Wirkung. Im Vergleich zum Steroid Methyltestosteron wäre M1T 12,5-mal anaboler und 1,5-mal androgener. In diesem Zusammenhang sollte jedoch erwähnt werden, dass diese Werte anhand des Wachstums von Prostata (androgen) und des Musculus Levator Ani (anabol) bei kastrierten heranwachsenden Ratten bestimmt wurden. Es ist somit fraglich, inwieweit diese Daten auf den Menschen übertragbar sind.

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Das es sich bei den anabolen androgenen Steroiden 1-Testosteron und M1T strukturell gesehen um DHT (Dihydro-Testosteron) Derivate handelt, sind androgenbedingte Nebenwirkungen wie Akne, eine Beschleunigung von erblich veranlagtem Haarsausfall und Prostatavergrößerung möglich. Auch wenn 1-Testosteron und M1T nicht zu Östrogen konvertieren können, berichten viele Anwender selbst bei geringen Dosierungen von Wassereinlagerungen. Dies würde dafür sprechen, dass 1-Testosteron und M1T eine gewisse progesterone Wirkung entfalten, wodurch auch Nebenwirkungen wie Gynäkomastie im Bereich des Möglichen lägen. Weiterhin treten bei alleiniger Anwendung von 1-Testosteron und M1T häufig Müdigkeit und Lethargie als Nebenwirkung auf, was wahrscheinlich auf die geringe androgene Wirkung von 1-Testosteron und M1T zurückgeführt werden kann. Die begleitende Verwendung einer androgenen Komponente wie Testosteron eliminiert dieses Problem in der Regel. Da M1T im Gegensatz  zu 1-Testosteron alpha-17-alkyliert ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Leberbelastung durch M1T in etwa mit der einer vergleichbaren Menge des anabolen androgenen Steroids Dianabol vergleichbar ist. Eine weitere nur bei M1T auftretende Nebenwirkung ist ein gewisser Appetitverlust. Gut dokumentierte Selbstversuche mit begleitenden Blutuntersuchungen durch einige Anwender zeigten, dass bereits eine vierwöchige Einnahme von 1-Testosteron oder M1T zu einer fast vollständigen Unterdrückung der körpereigenen Testosteronproduktion führt.

Die in der Praxis verwendeten Dosierungen unterscheiden sich bei den Steroiden 1-Testosteron und M1T aufgrund ihrer stark unterschiedlichen Bioverfügbarkeit deutlich. Anwender von 1-Testosteron berichten bei einer Einnahme von 200 – 500 mg 1-Testosteron von guten Kraftsteigerungen und einem guten Aufbau so genannter „Qualitätsmuskulatur“. Da die Halbwertszeit von estergebundenem 1-Testosteron im Körper recht kurz ist, nehmen Anwender dieses Steroid meist auf möglichst viele gleichmäßig verteile Einzelgaben pro Tag verteilt zu sich. Die erheblich bessere Bioverfügbarkeit des Steroids M1T spiegelt sich auch in den verwendeten Dosierungen wider. In der Praxis liegt die beobachtete Dosierung zwischen 5 und 40 mg pro Tag. Da die Halbwertszeit von M1T relativ groß ist, hat sich in der Praxis eine zweimal tägliche Einnahme eingebürgert.

In Amerika ist M1T seit 2005 nicht mehr legal erhältlich. Einige europäische Supplementhändler haben jedoch noch M1T auf Grund anderer landesspezifischer Regularien im Angebot, wodurch M1T eines der wenigen anabolen androgenen Steroide darstellt, das man direkt über das Internet relativ risikolos bestellen kann. Die Preise beginnen hier bei 60 Euro pro 60 Tabletten a 10 mg. 

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