Chlordehydromethyltestosteron



Chlordehydromethyltestosteron, besser bekannt unter dem weltweit einzigen Markennamen Oral Turinabol, ist einer der Gründe, warum Sportler der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) lange Zeit als Eliteathleten galten. Mit keinem anderen Steroid wurde dort so intensiv gedopt wie mit Chlordehydromethyltestosteron.


Erstmals im Jahre 1962 in Erscheinung getreten, wurde die Produktion 32 Jahre später vom weltweit einzigen Produzenten (Jenapharm) eingestellt. Einer der Hauptfaktoren hierbei war mit Sicherheit, dass nur wenige Jahre zuvor das Dopingsystem der ehemaligen DDR offengelegt werden konnte. Oral Turinabol hätte vielleicht überlebt, wäre es damals nicht an Sportler, darunter auch Jugendliche, ohne deren Wissen als Vitamintabletten getarnt von ihren Trainern auf Druck des Staates hin verabreicht worden. Viele dieser Dopingopfer haben immense Schäden davon getragen, gerade jene, die bereits im frühen Kindesalter mit Chlordehydromethyltestosteron Bekanntschaft schließen mussten.

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Chemisch gesehen handelt es sich bei Oral Turinabol um ein Testosteronderivat, welches eine enge Verwandtschaft mit dem wohl bekanntesten Steroid, dem Methandienon (Dianabol), verbindet. Der einzige Unterschied zwischen beiden Steroiden besteht in der zusätzlichen 4-chloro-Änderung, die dem Chlordehydromethyltestosteron seinen Namen gegeben hat. Hierdurch erhalten wir ein Steroid, das dem Methandienon (Dianabol) zwar ähnlich ist, aber dennoch signifikante Unterschiede aufweist.

Die Ähnlichkeit besteht darin, dass beide Steroide oral verabreicht werden und eine 17-alpha-Alkylierung aufweisen, die diese vor einem zu starken Abbau während der Passage durch die Leber schützen. Dies macht sowohl Methandienon als auch Chlordehydromethyltestosteron potentiell leberschädlich. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie weniger als Diät- als vielmehr als Aufbausteroide gelten.

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Und hierbei ergibt sich auch der einzige Unterschied: Während Methandienon je nach Dosierung und Genetik des Anwenders mehr oder weniger stark zu 17-alpha-Methylöstradiol  (ein besonders aggressives Östrogen) aromatisiert und somit tendentiell eher zu starken Wassereinlagerungen, Fettansammlungen und Gynäkomastie führt, aromatisiert Chlordehydromethyltestosteron nicht, was Östrogennebenwirkungen praktisch unmöglich macht. Die anabole, also muskelaufbauende Wirkung ist dafür bei Methandienon um einiges stärker ausgeprägt, was zum Teil auch an der Aromatisation zu Östrogen liegt. Chlordehydromethyltestosteron baut eher langsam Muskelsubstanz auf, die dafür dann jedoch von hoher und langfristiger Qualität ist. Die androgene Komponente fällt bei Methandienon ebenfalls höher aus, was dennoch nicht als  Freifahrtschein für weibliche Anwender zu verstehen ist, was die stark vermännlichte Damen-Sportler-Riege der ehemaligen DDR beweist.
 
Chlordehydromethyltestosteron ist ebenso nicht unbedingt der optimalste Wirkstoff für Steroidneulinge. Wenn nur orale Wirkstoffe eine Option darstellen, ist es sicherlich weniger aggressiv als Methandienon, dennoch sollten Erstkurer besser zu verträglicheren Steroiden wie Boldenon oder Testosteron greifen, die aufgrund fehlender Hepatotoxizität zudem auch länger eingesetzt werden können, was langfristigere Resultate garantiert.


Während die typische tägliche Dosierung für Chlordehydromethyltestosteron im medizinischen Bereich bei ca. 5mg lag, verwendeten Athleten nicht selten ein Vielfaches hiervon. Aus den Doping-Dokumenten der ehemaligen DDR geht hervor, dass 10-20mg pro Tag einer üblichen Dosierung glich, während im Bodybuilding erfahrungsgemäß 40-75mg pro Tag notwendig sind, um zufriedenstellende Resultate zu erzielen. Bei einer Halbwertszeit von ca. 16 Stunden wird die tägliche Dosierung auf zwei Gaben im Abstand von ca. 12 Stunden aufgeteilt. Weibliche Anwender benutzen bei Bewußtsein über mögliche Virilisierungserscheinungen in der Regel zwischen 5 und 20mg pro Tag. Steroidneulinge erzielen oftmals schon mit 20-40mg pro Tag gute Ergebnisse. Die Kurdauer erstreckt sich dank 17-alpha-Alkylierung der Tabletten über 4 bis maximal 8 Wochen.

Chlordehydromethyltestosteron wird heutzutage von keinem offiziellen Pharmaunternehmen mehr hergestellt, ist jedoch von einigen Homebrewern und Untergrundlaboratorien erhältlich.