Fluoxymesteron
ist eines der am meisten missverstandenen und gehypten
anabolen/androgenen Steroide. Erstmalig in Erscheinung getreten im
Jahre 1956, kam es bereits kurze Zeit später in Form des
weltweit bekannten Medikaments Halotestin zum
Schutz vor katabolen
Zuständen bei Verbrennungen, Fehlernährung oder auch
Langzeitnutzung des Corticosteroids Cortison zum Einsatz. Hier wurde es
beiden Geschlechtern verschrieben, den Frauen speziell bei abnormalen
Blutungen im Uterus und fortgeschrittenem Brustkrebs.
Kultsteroide
Vol. 2 - Fluoxymesteron (Halotestin®) 46 Seiten,
DIN A 5, Softcover
Alles
über das in
Powerlifting-Kreisen bekannteste und beliebteste Steroid Fluoxymesteron
inkl. Fotogalerie, aktueller Handelsnamenliste, Kurpläne und
dem
originalen Halotestin®-Beipackzettel auf deutsch!
Als
Testosteron-Derivat soll es zirka fünf mal so anabol und
androgen wie Methyltestosteron wirken, was jedoch mit sehr
großem Abstand betrachtet werden sollte. Fluoxymesteron ist
weder ein sonderlich anaboles noch androgenes Wunder. Zwar wird es
mittels 5-Alpha-Reduktase zu DHT umgewandelt, was eine gewisse
androgene Wirkung erklärt, diese fällt jedoch nicht
so stark aus, wie so manch ältere Publikation oder
Anwenderbericht glauben machen und mit großen
Kraftsteigerungen und erhöhter Aggressivität
untermauern will.
Da
Fluoxymesteron erwiesenermaßen zum einen die
Cortisolentstehung und zum anderen die Bindung an die entsprechenden
Rezeptoren behindert, leiden Anwender dieses Steroids an weitaus
geringeren Cortisolspiegeln als jene, die gar nicht oder vielleicht mit
anderen Steroiden dopen, wobei die meisten dennoch eine mehr oder
weniger ähnliche Auswirkung auf den Organismus haben. Und laut
klinischen Studien steht ein geringer Cortisolspiegel in direkter
Verbindung mit erhöhter Aggressivität. Das fehlende
Teil des Puzzles, nämlich die ernormen Kraftsteigerungen, die
mit Fluoxymesteron zu erzielen sind, können ebenso leicht mit
dem geringeren Cortisolspiegel erklärt werden, da dieses
Cortikosteroid abbauend auf den Organismus wirkt.
Was ebenfalls
gegen die hohe Androgenität spricht, die dem Fluoxymesteron
angedichtet wird, ist der Fakt, dass Anwender nur selten über
hierfür typische Nebenwirkungen wie fettige Haut oder
Haarausfall klagen. Als letztes Indiz für die geringere
Androgenität dienen weibliche Anwender, die mit Fluoxymesteron
dopen oder gedopt haben. Diese berichten von nur minimalen
Virilisierungserscheinungen, sofern die Dosierung in einem
vernünftigen Rahmen gehalten wurde.
Zurück
zur Chemie. Fluoxymesteron ist wie eingangs erwähnt ein
Testosteron-Derivat. Es unterscheidet sich vom Testosteron zum einen
durch eine 17-alpha-Alkylierung, zum anderen durch das
Hinzufügen einer Fluoro-Gruppe und zuletzt durch
Anhängung einer 11-Beta-Hydroxyl-Gruppe. Im Klartext bedeutet
dies, dass Fluoxymesteron als orales Steroid vor dem vorzeitigen Abbau
in der Leber geschützt ist und nicht zu Östrogen
konvertieren kann, weshalb es sich als Wettkampf-Steroid
bewährt hat.
Hier wirkt es
unterstütztend, da es den Anwender zusehend definierter machen
kann. Fluoxymesteron bindet, ähnlich wie Drostanolon und
Stanozolol, an den Aldosteronrezeptor und entfesselt somit einen
diuretischen Effekt.
Lassen wir alle
zuvor genannten Information kurz rekapitulieren, so kommen wir zu
folgenden Feststellungen: Fluoxymesteron ist ein orales Steroid, das
die Passage durch die Leber weitestgehend unbeschadet
überlebt. Es erhöht die Aggressivität und
erhöht die Kraftleistung. Fluoxymesteron wirkt stark
antikatabol und entwässernd. Die anabole ist, genau so wie die
androgene Komponente, eher gering einzuschätzen.
Doping mit
Fluoxymesteron macht somit im Grunde nur während einer
Wettkampfvorbereitung bzw. Diät wirklich Sinn. In Aufbauphasen
entfaltet es zwar auch eine kraftsteigernde Wirkung, welche jedoch
durch die Leberbelastung getrübt wird. Hier gibt es andere
Steroide mit weniger Nebenwirkungen, die sich bei Fluoxymesteron neben
der bereits erwähnten Leberbelastung besonders einer negativen
Verschiebung der Blutfettwerte äußern. Die
körpereigene Hormonproduktion wird durch Fluoxymesteron
natürlich ebenfalls alles andere als positiv beeinflusst,
jedoch nicht annähernd so intensiv, wie seit Jahren behauptet.
Fluoxymesteron eignet sich hierdurch auch gut zum Ausklingen
einer Steroidkur.
Die verwendeten
Dosierungen liegen bei 30-60mg pro Tag bei Männern und 5-15mg
bei Frauen. Steroidneulinge verwenden Fluoxymesteron für
gewöhnlich nicht und sollten dies auch nicht. Die maximale
Einnahmedauer liegt, wie bei 17-alpha-alkylierten Steroiden
üblich, bei 4-8 Wochen, wobei aber auch bis zu 12 Wochen, z.B.
während einer Wettkampfvorbereitung gut vertragen werden. Den
maximalen Anwendungszeitraum sollten immer
regelmäßige Bluttests, weniger Geldbeutel und
persönliche Ziele bestimmen.
Die
Halbwertszeit von Fluoymesteron wird allgemein mit rund 10 Stunden
angegeben, was eine Aufsplittung der Tagesdosierung auf zwei bis drei
gleichgroße Gaben sinnvoll macht.
Der Rohstoff
Fluoxymesteron ist mit ca. 0,05-0,20 Euro pro Milligramm sehr teuer.
Einige wenige offizielle Pharmaunternehmen bieten Fluoxymesteron zwar
noch an, der Großteil aller Schwarzmarkt-Präparate
wird jedoch von Homebrewern und Untergrundlaboratorien zur
Verfügung gestellt. Hierbei sollte besondere Vorsicht walten,
da als Basis sehr oft minderwertige Rohstoffe zur Herstellung benutzt
werden.