Oxymetholon



Bei Oxymetholon, weltweit als Anadrol-50 und Anapolon bekannt, handelt es sich um das wohl am meisten überschätzte Steroid. In vielen Büchern und auf vielen Websites zum Thema als stärkstes anaboles/androgenes Steroid bezeichnet, kann es diesem Ruf bei einem Blick hinter die Fassade jedoch in keinster Weise standhalten.

Der Grund, warum Oxymetholon als stärkstes anaboles/androgenes Steroide bezeichnet wird, liegt in den enormen Fortschritten, die hiermit zu erzielen sind. Es ist nicht selten, dass ein Athlet, der Oxymetholon bei voller Dosierung von bis zu 300mg pro Tag verwendet, binnen kürzester Zeit sein Körpergewicht um mehrere Kilogramm steigern kann und in genauso schneller Zeit neue Kleidungsstücke benötigt, die ein oder zwei Nummern größer sind. Verantwortlich hierfür ist ausschließlich eine schnelle Wasserspeicherung, die bei keinem anderen Steroid dermaßen ins Auge fällt wie beim Oymetholon. Dabei kann Oxymetholon als DHT-Derivat überhaupt nicht zu Östrogenen aromatisieren.

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Folglich gehen nun viele davon aus, dass Oxymetholon zu Progesteron, ebenfalls einem weiblichen Hormon, konvertiert, das ähnliche Nebenwirkungen wie Östrogene aufweist. Aber auch dies entspricht nicht der Realität. Vielmehr wird heutzutage vermutet, dass Oxymetholon die Östrogenrezeptoren direkt stimuliert und somit zu immensen östrogenartigen Nebenwirkungen wie Wasserspeicherung und Fettzunahmen führt. Für nichts anderes ist Oxymetholon bekannt.

Erstmalig im Jahre 1959 dokumentiert, begann das Pharmaunternehmen Syntex ein paar Jahre später damit, Oxymetholon in Form des weltweit bekannten Anadrol-50 und Anapolon zu vermarkten. Als Indikationsgebiet galten Zustände, in denen eine allgemein anabole Form erzielt werden wollte, beispielsweise vor und nach Operationen, bei Mangelernährung und Minderwuchs aber auch Osteoporose. Später folgte dann der Einsatz bei Blutarmut, was erklärt, warum mit Oxymetholon ein oftmals extremer Pump erzielt wird, der sich teils negativ im Alltag bemerkbar macht. Oxymetholon erhöht die Erythropoietin-Werte um bis zum fünffachen des Ausgangswertes. Erythropoietin, kurz EPO, ist besonders bei Dopingfällen rund um den Radsport in die Medien geraten.

Ende der Neunziger erfolgte der Verkauf aller Rechte im amerikanischen Raum an der Marke Anadrol-50 von Syntex an Unimed, die 1998 Anadrol-50 dann zur Behandlung von HIV- und AIDS-Kranken mit einer neuen Indikation in den Verkehr brachten. 2006 erfolgte der Verkauf an Alaven, die mit der FDA konform Anadrol-50 heutzutage ausschließlich gegen Anämien, also Blutarmut herstellen. Selbiges gilt für das türkische Pharmaunternehmen Abdi Ibrahim und deren Anapolon.

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Verabreicht wird Oxymetholon derzeit ausschließlich oral in Form von 50mg Tabletten. Diese sind, wie die meisten oralen Steroide, 17-Alpha-alkyliert, stellen somit eine Belastung für die Leber dar. In der Tat ist Oxymetholon das einzige anabole/androgene Steroid, das gemäß klinischer Studien mit Leberkrebs in Verbindung gebracht werden konnte. Beachtet werden muss hierbei jedoch, dass Patienten mit teilweise bis zu 5mg pro Kilogramm Körpergewicht behandelt wurden, was bei einem durchschnittlichen 75kg schweren Mann einer Dosierung von 375mg pro Tag entspricht - etwas mehr als das Maximum, welches teils über 100kg schwere Bodybuilder benutzen.


Die anabole Wirkung des Oxymetholon ist als eher mäßig einzustufen, die androgene Wirkung dafür jedoch als sehr stark, was durch eine sehr schlechte Bindungsaffinität an die Androgenrezeptoren der Muskulatur allerdings wenig ins Gewicht fällt. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass Oxymetholon stark überbewertet wird und die schnellen Gewichtszunahmen, die bei der Einnahme fast ausnahmslos zu verzeichnen sind, ausschließlich auf einer unnormal schnellen und starken Wasserspeicherung und Fettzunahme beruhen. Ein starker Kraftzuwachs stellt sich beim Gebrauch für gewöhnlich ein, was zum Teil jedoch mit Sicherheit durch die hohe Wasserspeicherung und die damit verbundenen, verbesserten Hebelkräfte zu erklären ist.

Athleten, die die Einnahme von Oxymetholon mit dem hohen Potential einer IGF-1-Ausschüttung rechtzufertigen versuchen, scheitern, da dies auf der einen Seite zwar gegeben ist, jedoch in keinster Weise die teils enormen Nebenwirkungen rechtfertigt, die beim Gebrauch für gewöhnlich eintreten. Angefangen bei Haarausfall, über fettige Haut, bis hin zu Prostatawachstum. Zwar konvertiert Oxymetholon zu einem geringen Teil zu Dihydrotestosteron (DHT), jedoch nicht über das 5-Alpha-Reduktase-Enzym, sodass der Einsatz eines entsprechenden Hemmers wie Finasterid keinen Erfolg verspricht. Durch Entfernung der angehängten 2-Hydroxymethylen-Gruppe, dem einzigen Unterscheidungsmerkmal zwischen Oxymetholon und DHT, konvertiert Oxymetholon zu 17-Alpha-Methyl-Dihydrotestosteron, was genannte androgene Nebenwirkungen erklärt.

Oxymetholon hat im Breitensport nichts mehr verloren und der Einsatz sollte lediglich noch Wettkampf-Athleten vorbehalten sein, denen es in Massephasen um schnellstmöglichen Gewichts- und Kraftaufbau geht. In Diätphasen wirkt Oxymetholon kontraproduktiv und auch weibliche Anwender und Steroidneulinge meiden diesen Wirkstoff aus genannten Gründen.

Tagesdosierungen von bis zu 150mg im Breitensport und 300mg+ im Wettkampf-Bodybuilding werden für gewöhnlich auf 3 Einzelgaben verteilt, Grund hierfür ist die kurze Halbwertszeit von ca. 9 Stunden.

Oxymetholon ist in einigen wenigen Ländern der Welt offiziell für die Humanmedizin erhältlich, beispielsweise in den USA in Form von Anadrol-50 und in Brasilien in Form von Hemogenin. Einzig verbliebene Präparate im europäischen Raum stellen das türkische Anapolon und das griechische Oxybolone dar. Das Schwarzmarktangebot ergänzen Androlic aus Thailand, Oxymetholon aus dem Iran und Homebrewer und Untergrundlaboratorien.