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Testosteron
In
der Antike aßen Gladiatoren Löwenherzen und
Bullenhoden, in asiatischen Ländern werden Walpenisse
verspeist und heutzutage benutzen Sportler weltweit fast ebenso obskure
Mittel, um einem Ziel näher zu kommen - maximale
Männlichkeit, Potenz und Muskelkraft- und Masse. Das
Zauberwort lautet Testosteron - das männliche Sexualhormon.
Im Jahre 1935
konnten Wissenschaftler dieses Schlüsselhormon erstmalig
synthetisieren, vier Jahre später wurde es bereits im Ersten
Weltkrieg von deutschen Soldaten zu Dopingzwecken benutzt. Weniger aus
dem Grund, warum es heutzutage Sportler anwenden, sondern vielmehr, um
die Aggressivität dem Feind gegenüber zu
stärken und die Soldaten zu Kampfmaschinen
heranzuzüchten. Sieben Jahre nach Ende dieses furchtbaren
Krieges beginnen erste Dokumentationen über Testosteron zu
Dopingzwecken im Sport.
Testosteron wird
in den Leydigzellen in den Hoden produziert. Die Menge differiert von
Person zu Person, abhängig u.a. vom Alter der Person. Die
Auswirkungen dieses Hormons werden besonders während der
Pubertät deutlich, wenn aus einem Knaben ein Mann wird. Der
Haarwuchs beginnt an Stellen wie Intimbereich, Achseln und Gesicht; die
Stimme beginnt sich oftmals zu vertiefen und männlicher zu
wirken; der Körper entwickelt sich und ein Muskelwachstum
findet statt; die äußeren Geschlechtsmerkmale bilden
sich aus und beginnen zu wachsen und die Libido entwickelt sich.
Während der Pubertät ist die
Testosteron-Ausschüttung auf ihrem Höhepunkt und
beginnt danach wieder allmählich zu sinken. Etwa 2,5-11mg
Testosteron werden von einem gesunden Mann pro Tag produziert. Der
untere Wert bezieht sich auf ältere, der obere Wert auf
jüngere Männer. Frauen produzieren nur einen
Bruchteil hiervon, etwa 0,25mg pro Tag um genau zu sein, was
erklärt, warum Frauen in der Regel keinen Bartwuchs und keinen
allzu starken Körperbau besitzen. Hier dominieren die
weiblichen Geschlechtshormone wie Östrogene, die eher
für ein softeres Aussehen mit mehr Körperfettdepots
und weicheren Kurven stehen.
Der Grund, warum
Testosteron zu Dopingzwecken verwendet wird, liegt in dessen
einzigartigen Fähigkeiten, die Leistungen des Anwenders immens
zu steigern. Testosteron wirkt stark anabol, androgen und antikatabol;
lipolytisch, also fettabbauend, und kraftsteigernd. Testosteron ist das
Allround-Hormon.
Alle anderen
Steroide basieren im Grunde auf Testosteron und stellen lediglich eine
Abwandlung dieses Hormons dar. Hierbei wurde stets versucht, die
anabolen und androgene Eigenschaften des Testosteron zu
verändern, um diese dem jeweiligen Einsatzgebiet anzupassen.
Kein Steroid wirkt nur anabol oder androgen, es liegen stets beide
Eigenschaften, lediglich mit verschiedenen prozentualen Anteilen, vor.
Steroide wie Nandrolon und Boldenon wirken vornehmlich anabol und
weniger androgen, während andere Steroide wie Drostanolon oder
Mesterolon eher androgen als anabol wirken. Anwender wissen um diese
Eigenschaften und benutzen die einzelnen Steroide daher je nach Ziel,
wobei Testosteron eigentlich stets als Basis Verwendung findet. Egal,
ob das Ziel Masseaufbau, Diät, Kraftaufbau oder Verbesserung
der Leistungen bei Ausdauer-, Kampf- oder ähnlichen
Sportarten lautet, Testosteron kann dank genannter positiver Wirkungen
stets einen großen Teil zum Erfolg beitragen.
Testosteron ist
heutzutage in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich - in
Tabletten- und Kapselform, als Pflaster, Gel oder Spray und
natürlich überwiegend in Spritzenform.
Schauen wir uns die verschiedenen Darreichungsformen etwas genauer an:
Testosteron
Pflaster/Gele/Sprays
Testosteron wird
in der Medizin überwiegend zur Substitution bei entsprechendem
Mangel, z.B. im Alter, verschrieben. Hierfür wurden zum einen
dermale Applikation entwickelt, die jeweils eine Tagesration in den
Blutkreislauf abgeben. Es besteht hier die Wahl zwischen einem
Pflaster, das auf die Haut geklebt wird und einen Tag lang wirkt;
zwischen Sprays, die auf die Haut aufgesprüht und in die Haut
eingerieben ebenfalls eine Tagesration Testosteron abgeben und zwischen
Gelen, die ebenso auf die Haut aufgetragen werden. Zu Dopingzwecken
werden diese Darreichungsformen auf Grund der geringen Wirkstoffmenge
nicht verwendet.
Testosteron
Tabletten
Testosteron in
ungebundener Form ist oral nicht aktiv, d.h. der Körper
würde es nach der Einnahme direkt zerstören. Deshalb
wurde 1935 Methyltestosteron entwickelt, ein mit einer
17-Alpha-Alkylierung versehenes Testosteron, das zwar unbeschadet im
Blutkreislauf ankommt, die Leber auf Grund erwähnter
Alkylierung jedoch stark in Mitleidenschaft zieht. Methyltestosteron
weist zudem eine hohe Tendenz zur Aromatisation auf, zum einen in
Östrogene, zum anderen in Dihydrotestosteron, was u.a. zu
erhähter Wasserspeicherung, Fettzunahmen,
Gynäkomastie (Östrogen-Nebenwirkungen) und
Prostatabeschwerden, Haarausfall und Akne
(Dihydrotestosteron-Nebenwirkungen) führen kann. 25-100mg pro
Tag, aufgeteilt auf drei gleichgroße Einzelgaben, stellen die
bevorzugte Dosierung bei männlichen Anwendern dar. Frauen und
Steroidneulinge meiden diese Testosteron-Art auf Grund genannter,
starker Nebenwirkungen. Ein bekanntes Präparat stellt u.a.
Afro Metiltestosteron Tablet von CaSel (Türkei) dar.
Testosteron
Kapseln
Eine andere Art,
Testosteron oral wirksam zu machen, stellt die paralle Gabe mit
Öl dar, wodurch der normale Weg über die Leber
gemieden und über das Lymphsystem eingeschlagen
wird. Das Testosteron wird hierbei mit einem fettlöslichen
Undecanoat-Ester versehen, was das Testosteron zuumindest zu einem
gewissen Teil durch die Lmyphe transportiert.
Erfahrungsgemäß ist der Wirkungsgrad sehr gering,
sodass Dosierungen von 240-400mg pro Tag, auf Grund der kurzen
Halbwertszeit von ca. 5 Stunden auf mindestens drei
gleichgroße Gaben aufgeteilt, vonnöten sind, um
zumindest geringe Fortschritte zu erzielen. Empirische Daten lassen den
Schluss zu, dass lediglich 5% der eingenommenen
Testosteron-Undecanoat-Menge aktiv werden können, was bei
400mg pro Tag gerade einmal 20mg Testosteron bzw. der doppelten
eigenproduzierten Menge eines gesunden, jungen Mannes entspricht.
Testosteron Undecanoat ist daher fast ausnahmslos nur für
ältere Athleten von Interesse, die mit Hilfe eines oralen
Präparats möglichst schonend einen zweiten
Frühling erleben wollen. Auch Frauen gehören dank der
geringen Aufnahme des Wirkstoffs zu den potentiellen Anwendern.
Steroidneulinge und erfahrene Athleten werden mit Testosteron
Undecanoat keine nennenswerten Erfolge feiern können. Das
bekannteste Präparat mit Testosteron Undecanoat als Wirkstoff
lautet Andriol
und wird von Organon hergestellt.
Testosteron
Suspension
Hierbei handelt
es sich um unverestertes Testosteron, das in Wasser dispergiert zu
Injektionszwecken angeboten wird. Auf Grund einer Halbwertszeit von
lediglich einigen wenigen Stunden, sind tägliche Injektionen
angebracht, wobei viele Athleten sogar mehrmals täglich
injizieren, besonders vor einem dopinggetesteten Wettkampf.
Für den Dauereinsatz zu Dopingzwecken eignet sich Testosteron
Suspension nicht, da tägliche oder mehrmals tägliche
Injektionen nicht jedermanns Sache sind. 50-100mg wenden die Athleten
ein- bis mehrmals pro Tag an, die damit die letzten Tage vor einem
Wettkampf überbrücken möchten. Frauen und
Steroidneulinge verwenden Testosteron Suspension nicht. Am bekanntesten
ist im europäischen Raum das slowakische Agovirin.
Testosteron
Propionat
In Öl
gelöstes Testosteron mit einem Propionat-Ester, welches eine
Halbwertszeit von ca. einem Tag aufweist und sich somit optimal als
Diät-Steroid empfiehlt. Auch Athleten, die keine Depotwirkung
aus Angst vor übermäßiger Wasserspeicherung
und Fettzunahmen haben, verwenden Testosteron Propionat. Eine
gängige Dosierung liegt hier bei 50-100mg jeden bis jeden
zweiten Tag. Bekannt sind Präparate wie Virormone
von Nordic
(England) und Testovis von SIT (Italien). Testosteron Propionat stellt
ein beliebtes Präparat für weibliche Anwender dar,
die 25-50mg ein- bis mehrmals pro Woche injizieren und dabei nur
geringe Virilisierungserscheinungen an sich feststellen.
Testosteron
Cypionat
Testosteron in
der Depotform mit einem Cypionat-Ester versehen, das eine Halbwertszeit
von ca. 6-8 Tagen aufweist und somit in Wirkung und Nebenwirkung dem
Testosteron Enantat sehr ähnlich ist. Das Testosteron Cypionat
wird von all jenen Sportlern eingesetzt, die eine Depotwirkung
erwünschen und sich möglichst selten eine Injektion
setzen möchten, was bei einer Anwendung alle 5-7 Tage gegeben
ist. Testosteron Cypionat wird vornehmlich in Masseaufbauphasen
verwendet, wo 200-1000mg pro Woche eine gängige Dosierung
darstellen, je nach Ziel und Stand des Athleten. Frauen meiden jegliche
Depotform des Testosteron, während Steroidneulinge hiermit
sehr gute Erfolge erzielen können. Bekannt ist hier das
Präparat Testex Prolongatum
(ehemals Testex Byk bzw. Leo) aus
Spanien.
Testosteron
Enantat
Die am meisten
verwendete Form des Testosteron. Mit einem Enantat-Ester versehen
bietet dieses Testosteron-Präparat eine Depotwirkung
ähnlich dem Cypionat. Injektionsintervall und Dosierung
gleichen sich hier weitestgehend. Weltweit bekannt ist Testoviron von
Schering. Das bekannteste Testosteron-Enantat-Präparat stellt
das Testoviron Depot
von Schering dar.
Testosteron
Heptylat
Die Bezeichnung
Heptylat ist nichts weiter als ein eigenständiger,
französischer Begriff für Enantat, es handelt sich
hierbei somit um Testosteron Enantat. Erhältlich ist diese
Form des Testosteron ausschließlich in Frankreich. Heptylate
de Testosterone heißt es hier und wird von Theramex
produziert.
Testosteron-Gemische
Hier sollten
direkt die Präparatenamen Sustanon und
Omnadren genannt
werden, wobei es sich um Testosteron-Präparate mit Depotform
handelt, die auf verschiedenen Estern basieren. Sie enthalten
Kurzzeitester wie Propionat zwecks schnellen Wirkungseintritts und
Langzeitester wie Decanoat für eine verzögerte
Freisetzung. Solche Testosteron-Gemische weisen eine Depotwirkung auf,
die jedoch nur sehr schwer einzuschätzen ist. Einen
gleichmäßigen Wirkstoffspiegel bekommt man bei der
Anwendung von Sustanon oder Omnadren nicht hin, sodass die
Injektionsintervalle hierbei nach eigenem Gutdünken
gewählt werden und auch gewählt werden
können. 250-1000mg pro Woche stellen auch hier eine
gängige Dosierung dar. Sustanon und Omnadren werden
vornehmlich von Powerliftern und auf Masse bedachte Athleten verwendet,
die große Mengen Testosteron zu einem günstigen
Preis zuführen möchten, da Sustanon und Omnadren im
Vergleich zu anderen Testosteron-Präparaten oftmals billiger
zu erwerben sind. Wie zuvor erwähnt, so lauten weltweit
gängige Namen solcher Testosteron-Gemische Sustanon (Organon,
weltweit) und Omnadren (Jelfa, Polen). Frauen meiden Depot-Testosteron,
während Steroidneulinge eher zum Gebrauch geneigt sind.
Testosteron wird
über genannte Formen hinaus noch mit einigen anderen Estern
versehen, beispielsweise Acetat, Phenylpropionat oder Decanoat, jedoch
werden diese Präparate fast ausschließlich von
Homebrewern und Untergrundlaboratorien angeboten. Lediglich in den USA
und in der Veterinärmedizin sind einige andere Veresterungen
erhältlich.
Mehr Informationen zur Funktionsweise von Testosteron
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